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Gemeinsam wandern

Heimatwandern

Rheinauen und mee(h)r

Wenn ich mir das Wetter heute ansehe, erinnert es sehr an den ersten Tag im Oktober, als es fast sintflutartig aus dem Himmel goss. Mutig gingen wir voran. Heike und ich. Mut belohnt. Was für eine Tour!

Rheinauen Kaiserswerth
Die Wolken meinten nicht mehr uns

 

Ich will in die Balkener Aue. Er wünschte es sich so sehr, er meinte umso öfter er es wiederholte, käme es einer Wunscherfüllung gleich. Doch die Feen wollten nicht so wie Jojo es sich vorstellte. Vielleicht beim nächsten Mal. Manchmal ist Geduld die Antwort.

 

 

Rheinufer mit Schiff
Wetter und Smartphonebilder doch ganz ok, oder?

 

Auen sind aber auch so schön. Ich kann den Wunsch verstehen. Meine Wunscherfüllung vollzog sich am ersten Oktober anno 2019. Geplant hatten wir die Tour Anfang des Jahres. Und jetzt sollte es losgehen. Der Name war Programm. Um 9:40 Uhr zogen wir los, Heike vom Heimatwandern und ich mit meinem Wandelsinn. Nicht nur einen Rucksack auf dem Rücken, einen Regenschirm in der Hand. Es war wie eine Untergangsstimmung. Der Himmel so grau, plädderte das Nass von oben. Unser Mut verließ uns nicht, umkehren oder abkürzen konnten wir immer noch. Mut belohnt: Schon nach einem Drittel der angedachten Strecke landeten die Schirme an den Rucksäcken. Noch freier als zuvor gingen wir unseres Wegs von dem schönen Örtchen Linn Richtung Rheinauen.

 

Begegnung an der Burg Linn
Heimatwandern und Wandelsinn gefunden

 

Latum hatten wir trotz des Regens, der uns bis dahin noch begleitete, aber schon schwächer wurde, schneller erreicht als gedacht. Oder trieb uns der Regen? So habe ich es jedenfalls nicht in Erinnerung. Muss mal Heike fragen. Mein Eindruck war eher, dass wir wohlgemut heiter gelassen unterwegs waren.

 

 

Vom Haus Latum hatte ich schon öfter gehört. Es ist denkmalgeschützt und das ist gut so. Sehenswert. Früher war es eine mit Gräben gesicherte Burg, später wurde die Anlage als Bauerngut genutzt und diente der Landwirtschaft. Den Graben kann man noch heute sehen, wenn man genau hinschaut. Dann wird auch die Burg vor dem geistigen Augen sichtbar. Wir hatten Glück. Ein „Nachfahre“, der mit einer Schubkarre unterwegs war, erzählte uns etwas von dem Haus und dessen Geschichte. Nicht zuletzt durch den 30jährigen Krieg wurde das Gut immer wieder zerstört und stark verändert. Wir standen, die Schubkarre in der Mitte, und lauschten. Heute werden hier Wohnungen vermietet. Sein Vater hatte sich für das Gut stark gemacht. Er selbst wohnt nicht hier, schaut aber regelmäßig nach dem Rechten. Später las ich, dass sich eine Gastronomie im Gebäudekomplex befinden soll und keine schlechte. Da ist weitere Recherche erforderlich, nicht theoretisch, eher praktisch!

 

 

„Was macht ihr denn hier? Wer seid ihr?“, fragte eine Schülerin der Grundschule im Ort, als wir uns auf dem Schulhof die Teloy-Mühle ansehen wollten, die man von hier aus gut sah.

 

Teloy-Mühle in Latum
"Herbstmühle", danke Heike!

 

Wir warteten bis die Schüler*innen sich aufgestellt hatten, um wieder in ihre Klassenräume zu gelangen. Zu zweit stellten sie sich in Reihen vor das Schulgebäude. Manche Abläufe ändern sich dann doch nicht, wunderten wir uns fast. Wir erinnerten uns an unsere Schulzeit.

 

 

„Cool“, staunte die Schülerin, als Heike erklärte, wir seien Wanderinnen. Vielleicht ihr neuester Berufswunsch, wer weiß ;-)

 

 

Im Kaffeemone von Latum mit eigener Rösterei schmausten die Wanderinnen dann jede einen Latte macciatto und Pflaumenstreuselkuchen mit und ohne Sahne. Pünktlich zur Mittagsstunde.

 

Kaffeemone in Latum
Hier durften wir uns wohlfühlen und das taten wir!

 

Dieses Café im Bistro-Stil ist merkenswert, um noch einmal einzukehren. Dort gibt es auch herzhafte Leckereien. Geröstet wird direkt im Café. Kaffee aus Papua Neuguinea, Nicaragua, Kolumbien oder Guatemala. Wandelsinn fehlt hier nur noch der Fairgehandelte.

 

 

Alter Markt Latum
Am Brunnen vor dem Tore...

 

Nach diesem Schmaus fehlte uns erstmal gar nichts, wir wollten nur weiter. Ohne Regen, wundervoll. Die Uhr zeigte nach dieser Pause 12:40 Uhr.

 

Und schon liefen wir auf den Rhein zu und da war er. Die Rinne, wie meine Mutter es immer sagte, wenn wir über eine Rheinbrücke fuhren.

 

Rheinauen mit Strand
Erinnerungen mit dem Smartphone schnell mal, jetzt werden keine Sachen mehr gesucht!

 

So eine schöne Wanderung am Rhein entlang in den Rheinauen. Das muss man selbst erleben. Worte und Bilder können da nur Geschmack machen. Die Sinne reizen. Unsere Sinne nahmen auf. Die Augenblicke. Der Wind und die Luft so herrlich. Nordsee lag in der Luft. Strände gab es auch.

 

An den Rheinauen
Sachensucherin unterwegs

 

Die Zeit verging schnell. Wir gingen nicht schnell, zügig ohne Zug. Unsere Füße trugen uns. Nur zum Schluss sollte die Hacke meines rechten Fußes mich ärgern. Asphalt mochte er gar nicht mehr. Es gab jedoch jetzt fast nur noch diesen, ich lief öfter mal am Wegesrand, um meinen Fuß zu schonen. (Zu Hause entdeckte ich eine Blase, die auch noch eine Falte geworfen hatte, ein Novum.) Nach drei Stunden in den Rheinauen picknickten wir auf einem der Baumstämme, die an einer Straße lagen, um den Autofahrern vielleicht das Parken am Wegesrand zu erschweren. Uns gefiel unser Plätzchen. Brot und Getränk brachten neue Energie und mein Fuß freute sich. Nach zwanzig Minuten gingen wir weiter und ich schaffte es. Die Strecke bis zum Ende zu laufen. Um halb 6 hatten wir Linn wieder erreicht. Achtundzwanzig Kilometer waren zusammen gekommen. Mir kam es so lang nicht vor. Wenn unsere Schuhe über so manchen Strandabschnitt am Ufer des Flusses in den Sand sackten, erinnerte ich mich an den Amrumer Insellauf, bei dem ich die Insel umlief mit ebenfalls achtundzwanzig Kilometern. Das war nochmal eine andere kleine Herausforderung. Jedoch unvergesslich. Wie auch diese Wanderung. Da bin ich mir gewiss.

 

© geertjens © wandelsinn

 

Rheinufer
Wandelsinn erlebt durch den Herbst am Rhein entlang...
Wanderung an den Rheinauen
Tour mit einigen Erlebnissen und geteilten mit Heike

Weitere Bilder und Eindrücke der Tour folgen in Kürze...

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